Mara und der Feuerbringer - Kritik

Ich bin nicht wirklich FAN deutscher Filme. Das Problem ist nämlich, dass deutschen Filmen immer das "deutsche" anzusehen ist. Alles zu glatt gespielt, nuschelnde Aussprache, immer dieselben Hackfressen.

Jetzt also ein Film aus Deutschland. Mara und der Feuerbringer von Tommy Krappweis. Krappweis kennt man vielleicht von RTL-Samstag Nacht oder als Hirn hinter Bernd das Brot. Das der Mann auch noch Romanautor und Regisseur ist, verwundert erstmal. Er wagt sich dann auch noch an das Thema Fantasy ran, was in Deutschland seit Michael Ende nicht mehr erfolgreich produziert wurde.

Die erste Einstellung läuft und man sieht direkt: "Ja, bei den Effekten wurde nicht gespart" und dann kommt die Off-Stimme von Mara (Lillian Prent) und erzählt einem, was gerade passiert und wer sie ist und was das eigentlich alles soll. Das ist einerseits gut, da man hier einen 94 Minuten Film bekommt und schlecht, weil man eben kein 3-Stunden-Epos erhält, um die Figuren insgesamt langsamer und dafür detaillierter zeichnen zu können.

Wir lernen Mara kennen: Mara ist 15 Jahre alt, wird gemobbed und weiß eigentlich auch nicht genau, was ihr Leben so bietet. Mara's Mutter (Esther Schweins) ist ein esotherischer Vollpfosten, die in ihrer eigenen Pseudo-Hexenweld lebt und gar nicht so richtig mitbekommt, dass Mara unglücklich ist. Muttern versteht auch nicht, dass diese ganze Hexennummer der analytischen Mara sogar ziemlich peinlich ist.

Mara leidet unter Tagträumen. Sie sieht Armeen von Wikingerkriegern auf sich zustürmen. Sie hört die Schreie der verletzten Krieger und urplötzlich findet sich sich in einer Höhle wieder, in der der Gott des Schabernacks Loki auf einen Felsen gefesselt ist und mit Schlangengift gequält wird.

Diese Schmerzen von Loki werden durch die magischen Kräfte Sigyns gedämpft. Sigyn ist die Ehefrau des Halbgottes und sie sorgt für ihren Mann, hat aber nicht genug Macht, diesen zu befreien.

Es passiert aber etwas dramatisches: Sigyn wird vom Feuerbringer entführt und Lokis Wut wächst. Es steht das Ragnarök bevor, das Ende der Welt.

Mara merkt, dass diese Tagträume irgendwie mehr sein müssen, als nur Träume.

Kritik

Loki, Sigyn, Siegfried, Ragnarök, Thor - das alles sind Namen, die man heute vielleicht noch aus "Avengers" kennt. Tatsächlich stellt die nordische Mythologie unsere eigene Mythologie dar. Die Briten haben Artus, wir haben Thor.

Die Griechen haben Odysseus und wir eben Loki. Diese ganzen alten Götter und deren Verhältnisse zueinander wurden im Film/Buch von Tommy Krappweis historisch korrekt aufbereitet. Diese Korrektur dieser Figuren war dem Team von Mara extrem wichtig, denn die Nazis haben natürlich diesen ganzen germanischen, nordischen Kram mit ihrer braunen Suppe so verfremdet, dass es auch heute noch seltsam ist, wenn man Odin oder Thor als T-Shirt gedruckt tragen möchte. Doch die altgermanische Geschichte ist mindestens genau so spannend und abgedreht, wie die Elias von Homer und mindestens so brutal wie der Herr der Ringe. Die Liebe zur detailgenauen Zeichnung der Figuren merkt man "Mara" zu jedem Punkt an. Loki ist nicht "böse", aber trauen kann man ihm auch nicht.

Es ist immer leicht, eine extrem wohlgesonnene Kritik zu schreiben. Es ist auch leicht, einen Film zu verreissen und dem Film zu sagen: "Du Film, das hast Du aber jetzt nicht so gut gemacht". Aber bei Mara und der Feuerbringer fällt mir die abschließende Kritik unfassbar schwer. "Mara" macht wahnsinnig viel richtig. Die Story ist stimmig, die Figuren alle super. Die Effekte sind größtenteils A-Liga und der Soundtrack hat mir auch gefallen. Dennoch kann ich den Film nicht uneingeschränkt weiter empfehlen. Das gemeine ist nur, dass ich dafür niemanden aus der kreativen Ecke des Filmes die Schuld geben kann. Tommy Krappweis hat seine Vision seines Filmes als Drehbuch verfasst und dann filmisch umgesetzt. Das hat er super gemacht und man merkt jeder Sekunde des Films an, dass hier Liebe reingepumpt wurde.

SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER - nicht weiterlesen

Was mir weh getan hat, ist die Tatsache, dass alles irgendwie zu schnell geht. Und da hier viel Humor verpackt wird, kommt einem das dann auch noch viel zu einfach vor. Mara und Weissinger wollen die Welt retten. Da kommen coole Sprüche nicht so wirklich gut an, die eigentliche Gefahr wirkt dann nicht mehr bedrohlich. Die besten Szenen im Film sind diejenigen, wo es wirklich "phantasy" wird und ein wenig düsterer. Meine Lieblingsszene ist diejenige mit den schwarze-Augen-Zombies. Die hätte viel krasser sein sollen. Die Szene, die mich wirklich, wirklich gestört hat, ist die im Krankenhaus. Jeder andere betroffene hätte einen Schreikrampf gekriegt und nicht so reagiert, die die entsprechende Figur in der Szene. Die Einsicht kommt zu schnell.

Fazit

Andere Kritiken verglichen "Mara" gerade als Verfilmung mit "die unendliche Geschichte" und zelebrierten den Film als gelungene Phantasy aus Deutschland. Dem stimme ich zu. "Mara" ist ein gelungener Film, der sein Filmbewertungsprädikat "wertvoll" auf jedenfall verdient hat. Tatsächlich bin ich der Meinung, dass man den Film noch mal machen sollte. Mit wesentlich mehr Budget und wesentlich mehr Fokus auf den Figuren. Mit greifbarer Gefahr für die Protagonisten. Klar: Tommy wollte einen Familienfantasyfilm, aber FSK6 ist definitiv zuviel des guten. Bei den Goonies zum Beispiel gibt es Leichen und "Chunk" hat echt Angst, dass die Fratellis ihn töten wollen.

Um die Kritik mal abzuschließen: "Mara und der Feuerbringer" ist tatsächlich der Beweis, dass in Deutschland gute Filme gedreht werden können. "Mara" ist gleichzeitig auch der Beweis, dass man am falschen Ende sparen kann. Mit einer Million mehr wäre "Mara" ein komplett anderer Film geworden, da bin ich mir sicher.

Author: Marcel Schindler on 2017-04-28